KNORPELSCHADEN
allgemein
Verletzungen und Verschleißerscheinungen des Kniegelenkknorpels stellen eine der weit verbreiteten Erkrankungen in der Orthopädie dar. Man unterscheidet dabei den lokal begrenzten Knorpelschaden
in Folge einer Bandinstabilität, eines Unfalls oder auch angeboren vom allgemeinen Knorpelverschleiss, der Arthrose (link nach dort). Ein weitere Grund für Schmerzen oder eine übermässige Belastung des Knorpels sind ausgeprägte Fehlstellungen wie zum Beispiel ein O- oder X-Bein (siehe / link nach dort).
Typische Symptome sind belastungsabhängige Schmerzen und Schwelllungen. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und hängen von den jeweiligen Gegebenheiten und Ursachen des Schadens ab. Sie wird bei uns für jeden einzelnen Patienten speziell geprüft und zusammen mit dem Patienten ausführlich diskutiert. Man muss dabei auch immer bedenken, dass nicht unbedingt der Knorpelschaden zu den beschriebenen Problemen führen muss, da der Knorpel keine Nervenversorgung hat und erst die aus dem Schaden resultierende Gelenkschleimhautentzündung oder Veränderungen des darunter liegenden Knochens schmerzhaft sind.
Daher ist es immer notwendig, die Schmerzen genau zu analysieren und ursächliche Faktoren zu berücksichtigen.
Wichtigster Faktor der Knorpeltherapie ist es, den Patienten zur richtigen Zeit mit der richtigen Therapie zu versorgen und neben dem Knorpelschaden selbst vor allem die Ursache des Knorpelschadens zu beheben.
Dabei spielen die Größe, die Lokalisation und die Ausdehnung
in die Tiefe (Mitbeteiligung des Knochens) eine entscheidende Rolle. Zudem berücksichtigen wir die Ansprüche und das Alter des Patienten und berücksichtigen, dass Bandinstabilitäten oder Achsfehlstellungen, die einen Knorpelschaden bedingen können, unbedingt gleichzeitig behandelt werden müssen.
Dies kann in einigen Fällen zu Kombinationsoperationen aus Knorpeltherapie und Bandrekonstruktion oder Achskorrektur führen.
Nicht operative Therapie
Die Therapie des Knorpelschades hängt nicht unbedingt vom jeweiligen Stadium, sondern auch von Ansprüchen und Lebensgewohnheiten ab. Daher geht es in der konservativen Therapie darum, die von aussen beeinflussbaren Faktoren zu reduzieren.
Da es sich um Schmerzen durch lokale Entzündungen handelt, können diese mit Medikamenten reduziert und Begleiterscheinungen verringert werden. Als Mittel der ersten Wahl zählen Medikamente mit starker Schmerz- und Schwellungslinderung, die sog.
steroidalen Antiphlogistika (NSAR) und Coxibe. Auch Nahrungsergänzungsmitel, wie die Kombination von Glucosaminoglycan und Chondroitisulfat haben einen nachgewiesenen protektiven Einfluss auf die Arthrose.
Diese Schmerzfreiheit ist eine Voraussetzung, um dann mit einer gezielten Physiotherapie die muskuläre Situation zu verbessern. Hier steht die Kräftigung der Muskulatur, die Mobilisierung der Gelenke sowie die Verbesserung der Koordination im Vordergrund.
Unterstützend können auch physikalische Maßnahmen mit Wärme- oder Kälteanwendungen, Elektrotherapie oder Ultraschall angewendet werden. Schmerzreduzierend wirkt nachweislich ebenso die Akupunkturbehandlung.
Des weiteren werden orthopädische Hilfsmittel eingesetzt. Hier können spezielle Tapeanlagen
oder Bandagen unterstützend wirken.
Auch Schienen und orthopädische Pufferabsätze werden bei Arthrose und Instabilitäten zur Behandlung eingesetzt.
Eine weiter Arthrosetherapie stellen intraartikuläre Injektionen dar. Mit diesen kann zum Beispiel Hyaluronsäure direkt in das Gelenk appliziert werden, um geschädigten Knorpel zu schützen oder ihn auch wieder auf zu bauen.
Somit ist es möglich die Gleitfähigkeit des Gelenkes zu verbessern und die lokale Entzündung zu vermindern.
Eine neue Injektionstherapie wird von uns mit hochkonzentriereten, körpereigenen Wachstumsfaktoren, dem sogenannten ACP (autologes conditioniertes Plasma) durchgeführt. Mittels körpereigener Regenerationkräfte der Wachstumsfaktoren im Blut (aus den Thrombozyten bzw.
Blutplättchen) können Heilungs- und Aufbauprozesse im geschädigten Gelenkknorpel angeregt werden. Bei diesem Verfahren sind Nebenwirkungen so gut wie ausgeschlossen, da der körpereigene Heilungsmechanismus eingesetzt wird.
OP VERFAHREN
Arthroskopische Verfahren
Findet sich ein aufgerauter Knorpel, bei dem randständig Fransen ins Gelenk ragen oder einzelne Schuppen drohen, zu brechen, so besteht die Möglichkeit diese ablösenden Knorpelanteile durch eine sogenannte Knorpelglättung zu entfernen. Dadurch wird die Defektzone reduziert und mechanisch störende Anteile entfernt.
Dieser Eingriff wird rein arthroskopisch durchgeführt. Wir verwenden dazu spezielle „Minischleifer“, die entsprechend der Größe des Kniegelenkes angepasst werden, um die Verletzung weitere Strukturen zu vermeiden.
Ziel dieses Eingriffes ist es, den Knorpelschaden zu stabilisieren, so dass ein weiterer Knorpelabrieb verringert wird bzw. die durch den Knorpelabrieb entstehende Gelenkschleimhautentzündung reduziert wird.
Bei einem tief reichenden Knorpelschaden mit freiliegendem Knochen kann die sogenannte Microfrakturierung angewendet werden, durch die die Stammzellproduktion angeregt werden soll. Hierbei wird der Knochen mit einem speziellen Instrument (Mini Ahlen) an einigen Stellen eröffnet, so dass sich Knochenmarkszellen und Stammzellen im Knorpeldefekt einlagern können. So entsteht über einen längeren Zeitraum ein faseriger Ersatzknorpel (Faserknorpel). Dieser hat zwar nicht die mechanischen Eigenschaften des ursprünglichen Knorpels, aber er kann zu einer deutlichen Schmerzlinderung führen.
Da die Bildung des Faserknorpels jedoch Zeit beansprucht, tritt die Schmerzlinderung oftmals erst nach einigen Wochen bis Monaten ein. Besonders gute Erfolge kann man bei älteren Patienten mit kleineren Defekten erzielen, da durch die Förderung der Knochendurchblutung oftmals der eigentliche Schmerzauslöser behandelt wird und diese Operation fast ausschliesslich in einer arthroskopischen Technik durchgeführt wird.
Verpflanzung körpereigener Knorpel
Bei Defekten, die den Knochen bis in die Tiefe betreffen oder auch bei größere Knorpeldefekten, können körpereigene Spenderregionen zur Defektdeckung verwendet werden, indem Knochenknorpelzylinder verpflanzt werden. Diese werden aus weniger bis kaum belasteten Zonen des Kniegelenkes entnommen und mit speziellen Setzinstrumenten ohne Verwendung von Fremdmaterial oder Schrauben in die Defektzone eingesetzt. Dies funktioniert, da die Zylinder, die verpflanzt werden, einen geringgradig größeren Durchmesser haben als diejenigen, die aus der defekten Bereichen entnommen wurden. Vorteil dieser Technik ist es, dass echter Knorpel mit normalen mechanischen Eigenschaften in das erkrankte Gebiet verpflanzt wird und gleichzeitig der darunter liegende Knochen mit therapiert werden kann.
Bei kleineren Defekten, bei denen nur ein Zylinder transplantiert wird, kann diese Technik arthroskopisch angewendet werden. Bei größeren Defekten, bei denen mehrere Zylinder versetzt werden müssen, ist jedoch oft eine kleine Eröffnung des Kniegelenkes notwendig, um die Krümmung der Knorpeloberfläche besser zu erkennen und die Zylinder präziser zueinander zu rekonstruieren. Am Ende des Eingriffes ist der Knorpel dann wieder fast ununterbrochen hergestellt und nach einer 6-wöchigen Teilbelastung ist bei freier Beweglichkeit die schrittweise Aufbelastung möglich, so dass nach circa 3 Monaten eine schmerzfreie Belastung und sportliche Tätigkeit wieder möglich sein sollte.
Verpflanzung gezüchteten Knorpels
Seit mehr als 10 Jahren wird die Transplantation eigener gezüchteter Knorpelzellen erfolgreich zum Ersatz und zur Rekonstruktion fehlenden oder verletzten Knorpels vor allem bei traumatischen und oberflächlichen Defekten ohne Knochenbeteiligung eingesetzt. Die Indikation muß daher sehr überlegt gestellt werden und hat ihre Limiten: Bei Patienten über 50 Jahren ist eine gesicherte Einheilung nicht mehr gewährleistet und diese Technik stellt auch keine Therapie zur Behandlung der Arthrose, also der flächenhaften Abnutzung des Knorpels, dar. Auch hinter der Kniescheibe ist der Knorpelersatz selbst beim jungen Patienten derzeit noch limitiert ein zu setzen, da die dort herrschenden Scherkräfte zu hoch für das derzeitige Material sind. Optimale Ergebnisse hingegen werden bei Defekten erzielt, die für die Verwendung von Debridement, der Mikrofrakturierung und auch der Knochen-Knorpeltransplatation zu groß sind.
Für die autologe Chondrozytentransplantation sind immer zwei Eingriffe nötig: in einem ersten wird dem Patienten während einer Arthroskopie aus einem nicht belasteten Kniegelenksanteil eine minimale Menge Knorpelzellen entnommen und in einem zertifizierten Labor vermehrt. Wenn nach ca 3-6 Wochen die notwendige Zellzahl erreicht ist, werden die Knorpelzellen in die Defektzone reimplantiert. Nachdem das Knie über der Defektstelle eröffnet wurde, wird die Grösse der Defektzone genau bestimmt und eine Trägersubstanz / Spezialfolie genau auf diese Grösse zurecht geschnitten. Diese Folie hat ein 3-dimenisonales Kollagengerüst und kann die Knorpelzellen optimal aufnehmen und gegen mechanische Drücke schützen. Sobald die Zellen auf die Matrix aufgebracht worden sind, wird die Matrix mit selbstauflösenden Fäden an die gesunde Knorpelumgebung angenäht, so dass keine Lücken entstehen.
Um eine Einheilung möglichst gut zu gewährleisten, wird das Kniegelenk in den ersten Tagen ruhig gestellt und danach für den Zeitraum von 6 Wochen teilbelastet und die Bewegung gesteigert. Nach 6 Wochen Einheilzeit wird dann die Belastung rasch gesteigert und die Beweglichkeit ebenfalls frei gegeben.
Umstellungsosteotomie
Wenn ein X- oder O-Bein vorliegt (angeboren oder unfallbedingt) und somit die Belastungsachse des Beines auf die innere (O-Bein) oder äussere (X-Bein) Seite des Kniegelenkes verlagert ist, kann es zu einer isolierten Überlastung des inneren oder äusseren Kniegelenkabschnittes kommen. Dadurch kann sich im Laufe der Zeit eine Knorpel- und Meniskusüberlastung und auch eine Arthrose entwickeln. Häufig kann eine vorherig durchgeführte komplette Entfernung des Meniskus im schmerzhaften Gelenkabschnitt zu einer Verstärkung der Achsabweichung und damit zu einer schnelleren Abnutzung des Knorpels führen.
In den Fällen mit einer einseitigen Schmerzsymptomatik kann mit einer Beingeradestellung / Achskorrektur eine Schmerzbefreiung erzielt und ein Fortschreiten des Knorpelschadens verhindert werden. Vorteil dieser Operation ist, dass das Kniegelenk vollständig erhalten bleibt und mit anderen erhaltenden Operationen wie einer Kreuzbandrekonstruktion oder einer Knorpelbehandlung kombiniert werden kann. Vor einem solchen Eingriff wird anhand einer Spezialaufnahme genau berechnet, an welcher Stelle der Fehler genau liegt und in welchem Masse die Korrektur durchgeführt werden muss.
Korrektur einer Beinfehlstellung
Die häufigste Form der einseitigen Arthrose ist die innenseitige Arthrose bei einer O-Beinfehlstellung. Hier wird in den meisten Fällen im Bereich des Unterschenkels eine Umstellungsosteotomie durchgeführt werden, bei der die Beinachse begradigt oder in ein leichtes X-Bein überkorrigiert wird.
Dies führt zu einer Entlastung des inneren Gelenkspaltes und kann dem Patienten eine deutliche Schmerzlinderung erzielen.
Nachdem präoeprativ die Osteotomie geplant wurde, um Schnitthöhe und Korrekturgrad zu bestimmen, werden über einen kleinen Hautschnitt unter Röntgenkontrolle Zieldrähte eingebracht, entlang welcher der Unterschenkeknochen dann geschwächt wird. Danach wird der Unterschenkelknochen so lange aufgespreizt, bis die gewünschte Kniegelenkposition erreicht ist. Diese Position wird dann mit Hilfe einer sehr dünnen Titanplatte oder neuerdings auch einer carbonverstärkten Platte mit winkelstabilen Schrauben gesichert, mit der zusätzlich noch Druck auf die Osteotomie gebracht werden kann um eine schnellere und sichere Heilung zu gewährleisten.
Da die Platte unter Röntgendurchleuchtung via kleiner Hautschnitte platziert werden kann, ist die Operation mit mehreren kleinen Hautschnitten durchführbar und grosse Narben können vermieden werden.
Allgemeine, unabhängige Gesundheitsinformationen rund um Diagnostik und Behandlung finden Sie zudem beim IQWiG-Portal „Gesundheitsinformation.de“.
Häufig gestellte Fragen zu KNORPELSCHADEN
Weitere Informationen zu unserem ganzheitlichen Diagnostik- und Behandlungsspektrum finden Sie im Ortho Health Institut München.